Forst Kienberg_Hammerherrenhaus
Als wäre es schon immer da gewesen …
BWM zeichnen für das Interior Design des umfassend sanierten Hammerherrenhauses und der Scheune im Forst Kienberg verantwortlich. Das Konzept verbindet eine klare, reduzierte Gestaltung mit feinsinnigen Details und unerwarteten Elementen. Eine Farbwelt in unterschiedlichen Abstufungen sowie restaurierte und neu interpretierte Möbel schaffen eine Atmosphäre, die wirkt, als wäre sie schon immer da gewesen.
Das Hammerherrenhaus, ein bestehendes, denkmalgeschütztes Gebäude im Forst Kienberg, wurde umfassend saniert und komplett neugestaltet. Die Sanierung sowie die Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt und die Auseinandersetzung mit der Baugeschichte bildeten die Grundlage für das Interior-Konzept, das Bestehendes nicht überformt, sondern selbstverständlich weiterführt.
„Effortlessly cool – the perfect normal“ beschreibt das gestalterische Leitbild: eine zurückhaltende, selbstverständliche Atmosphäre mit feinen Abweichungen und unerwarteten Details. Die Räume sind auf das Wesentliche reduziert und werden durch unterschiedliche Abstufungen einer gemeinsamen Leitfarbe zusammen gehalten – Sagegrün zieht sich durch das gesamte Haus, von den Wänden und Einbauten bis zur Garderobe.
Die Gestaltung verbindet historische Substanz mit zeitgemäßen Anforderungen. Bestehende Böden wurden erhalten, aufgearbeitet oder ergänzt; im Eingangsbereich liegt etwa der originale Steinboden, in den Zimmern wurden historische Holzdielen restauriert und wieder eingesetzt. Kalkfarben, traditionelle Materialien und alte Wandmalereien greifen die Geschichte des Hauses auf, während Fußbodenheizung, moderne Haustechnik und neu interpretierte Details heutigen Standards entsprechen. Auch Schalter und Steckdosen nehmen formal Bezug auf historische Vorbilder.
„Effortlessly cool – the perfect normal“ so das gestalterische Leitbild: eine zurückhaltende, selbstverständliche Atmosphäre mit feinen Abweichungen und unerwarteten Details.Erich Bernard
Unaufdringlicher Komfort.
Das Gebäude wurde derart umgestaltet, dass es nun auch darauf ausgelegt ist als Ganzes gemietet werden zu können. Unterschiedliche Möglichkeiten für gemeinsames Arbeiten und Zusammenkommen ebenso wie für Rückzug und Erholung sind entstanden: etwa Kochkurse, Teambuildings oder Yoga-Wochenenden in Kombination mit der angrenzenden Scheune können nun angeboten werden. Küche, Dining Room und Salon bilden dabei die zentralen gemeinschaftlichen Bereiche.
Die Gemeinschaftsküche besticht durch Einfachheit, das Handwerk des Kochens steht im Vordergrund, der Zementfliesenboden durchbricht diese Zurückhaltung mit verspielten Mustern. Der Arbeitstisch bildet den Mittelpunkt des Raumes, Sitzgelegenheiten am Fenster laden zum gemütlichen Beisammensein ein. Der ebenerdig, mit direktem Ausgang ins Freie gelegene Dining Room verströmt Wintergartenfeeling und kann als Seminar- und Besprechungsraum für gut 10 Personen genutzt werden. Der Kachelofen im historischen Look und der große Esstisch mit Patina schaffen eine entspannte Atmosphäre. Der Salon befindet sich im ersten Obergeschoss und ist als gemeinschaftlicher Raum konzipiert, mit einer kleinen Teeküche im Vorzimmer ausgestattet besticht er v.a. durch seine dreiseitige Verglasung und entsprechend freiem Blick ins Grüne auf den alten Baumbestand.
In jedem Raum etwas Unerwartetes …
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Möblierung, um die Reduziertheit zu durchbrechen. Möbel aus dem Fundus der Bauherrin, so genannte object trouvé – darunter Biedermeierstücke, Beistelltische und Nachtkästchen – wurden restauriert, neu bezogen und selbstverständlich in die Räume integriert. Lounge-Sessel aus den 1960er-Jahren treffen auf ältere Möbel und Textilien aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Ikat-Stoffe, Kelims (in Zusammenarbeit mit Mizrahi Fine Arts) und weitere Vintage-Elemente ergänzen die Einrichtung. So entsteht eine Möblierung, die sich nicht auf eine Epoche festlegt, sondern selbstverständlich durch die Jahrhunderte bewegt.
Mit Liebe zum Detail.
In den insgesamt acht Zimmern – ein Zimmer im EG, zwei im DG und die restlichen fünf im 1 .OG – wird dieses Prinzip jeweils weitergeführt. Geschwungene Betthäupter aus Kirschholz, grün abgestufte Wände und Einbauten sowie einzelne eigens entworfene Leuchten oder Sitzmöbel setzen Akzente, ohne die ruhige Gesamtwirkung zu überlagern. Unter dem Dachstuhl bleibt die historische Konstruktion sichtbar – die neue statische Unterstützung des Dachstuhls wurde integriert und die alte Struktur bewusst hervorgehoben. Zwei bestehende Kamine, die im Dachgeschoss zusammenlaufen, prägen den Vorraum und die angrenzenden Zimmer. In den Bädern wird analog zur Küche die generelle Schlichtheit durch das Muster des Fliesenbodens durchbrochen. Accessoires wie Steckdosen muten wie anno dazumal an, sind aber auf neuesten technischen Stand.
Die Scheune als Veranstaltungsort.
Ergänzend zum Hammerherrenhaus wurde die Scheune als neuer Veranstaltungs- und Begegnungsort umgebaut. Das außen schwarz gehaltene Gebäude verfügt über einen großen Veranstaltungsraum, ein vorgelagertes Foyer, eine Terrasse sowie einen Breakoutbereich. Im Hauptraum bestimmen gebeiztes Birkensperrholz an Wänden und Möbeln sowie alte Industrieleuchten die Atmosphäre. Das Foyer ist mit Garderobe und einer kleinen Küche beziehungsweise Buffetfläche ausgestattet; echte Klinkerriemchen prägen die Buffetmöbel. Ein Waschbecken aus massivem Rauriser Blau ergänzt den zurückhaltenden, materialbetonten Innenraum.
Aufgabe
Interior Design für das bestehende Herrenhammerhaus und die Scheune im Forst Kienberg für die Zuführung einer neuen Nutzung
Datum
10/2026
Auftraggeber
Forst- und Liegenschaftsverwaltung Kienberg GmbH
BWM Team
Erich Bernard, Marlene Gesierich, Pia Temt, Eleni Nagl, Tobias Richter, Isabel Tendero Sierra, Robert Mago
Bildnachweis
Fiona Oehler, ÖGLB/Albert Malli
Projektbeteiligte
Architektur, Planung und Abstimmung BDA
Hammerherrenhaus: Theresa Müller (studio jute GmbH) /Die Scheune: Sebastian Lengauer und Julia Horvath (studio jute GmbH)
Branding
brand unit
Lichtplanung
Klaus Pokorny
F&B Consulting
Christian Bayer Eissler